Bestands-IT als Chance statt Hindernis: So gelingt die nahtlose Anbindung neuer Lösungen
Wer schon länger digital unterwegs ist, kennt den Satz: „Unsere alte IT macht das nicht mit.“ Doch diese Haltung greift zu kurz. Bestands-IT muss nicht im Weg stehen – sie kann sogar ein wertvolles Sprungbrett für neue Lösungen sein. Entscheidend ist nicht der Abriss, sondern die Anbindung.
Habt ihr das auch erlebt? Es gibt eine smarte neue Lösung, aber alle winken ab: „Dafür müssten wir erst System X ersetzen.“ Müssen wir wirklich? Oder fehlt nur der richtige Weg zur Integration?
Altsysteme als Fundament nutzen
Eure bestehende IT ist nicht per se veraltet. Sie wurde oft über Jahre aufgebaut, bildet zentrale Prozesse ab und ist stabil. Natürlich hat sie Schwächen: Sie ist vielleicht nicht cloudfähig, nicht schön zu bedienen oder nur schwer erweiterbar.
Aber: In ihr stecken auch eure Daten, eure Logik – euer Wissen. Warum sie also nicht als Basis nutzen, um darauf neue Funktionalitäten aufzusetzen?
Gerade im Mittelstand ist es oft effizienter, Bestehendes zu ergänzen, statt alles auf links zu drehen.
Drei Wege zur Integration
Ob moderne Cloud-Anwendung oder spezialisierte Software: Neue Lösungen lassen sich in fast alle IT-Landschaften einbinden – wenn man es klug angeht. Hier drei typische Ansätze:
1. API-Layer als Brücke
Falls eure Systeme bereits Schnittstellen (APIs) bieten – perfekt. Damit lassen sich neue Anwendungen direkt anbinden. Wo keine existieren, kann man oft Adapter schaffen, die lesend oder schreibend auf Altdaten zugreifen.
Beispiel: Ein moderner Kundenservice nutzt ein CRM, das über eine API mit dem alten ERP kommuniziert. Ergebnis: Vertriebs- und Servicedaten sind endlich synchron.
2. Middleware als Vermittler
Wenn Schnittstellen fehlen oder schwer zu bauen sind, hilft eine Middleware – also eine vermittelnde Software, die Daten zwischen zwei Welten übersetzt. Typisch für:
Kommunikation zwischen Legacy-System und Web-App
Übertragung von Daten zwischen Cloud und On-Premises
Regelbasierte Transformationen (Formate, Zeitsteuerung etc.)
Vorteil: Ihr müsst euer Kernsystem nicht anfassen – sondern ergänzt es mit einer „digitalen Zwischenschicht“.
3. Strangler Pattern für schrittweisen Umbau
Langfristig wollt ihr euch vielleicht von Teilen eurer Legacy-IT lösen. Dann ist das sogenannte „Strangler Fig“-Muster ein guter Weg: Ihr ersetzt Schritt für Schritt einzelne Funktionen – bis das alte System komplett abgelöst ist.
Beispiel: Erst die Produktdatenverwaltung modernisieren. Dann die Auftragsabwicklung. Dann das Reporting. So wird das Neue nach und nach zum Neuen Standard – ohne Big Bang.
Organisatorische Stolpersteine vermeiden
Neben der Technik zählt vor allem: Kommunikation. Häufig scheitern Integrationsprojekte nicht an der IT, sondern an internen Hürden:
Fehlende Ownership: Wer kümmert sich um die Schnittstelle?
Sicherheitsbedenken: Wer prüft, ob alles compliant läuft?
Wissenslücken: Wer kennt das alte System eigentlich noch?
Diese Punkte solltet ihr früh klären. Unser Tipp: Holt die Menschen mit ins Boot, die tagtäglich mit der Bestands-IT arbeiten. Sie wissen, was geht – und wo es hakt.
Typische Use Cases aus dem Alltag
Ein neuer Webshop wird mit einem älteren Warenwirtschaftssystem verbunden – die Lagerdaten bleiben aktuell, ohne dass das ERP ausgetauscht werden muss.
Ein Tool für digitale Signaturen hängt sich via API an ein bestehendes DMS – Vertragsprozesse werden papierlos, ohne dass das Dokumentenarchiv neu gebaut wird.
Ein BI-Dashboard zieht sich aktuelle Kennzahlen aus mehreren Altquellen – ohne dass eine neue Datenbank aufgebaut werden muss.
Der Effekt? Ihr seid schnell handlungsfähig, schafft digitale Nutzererlebnisse und bleibt gleichzeitig stabil im Backend.
Fazit: Brücken bauen statt Mauern einreißen
Bestands-IT ist kein Bremsklotz sondern eine Chance. Wer nicht reflexhaft „neu“ denkt, sondern intelligent ergänzt, kommt schneller voran. Und günstiger.
Digitalisierung muss nicht bei null beginnen. Sie beginnt da, wo ihr jetzt steht – mit allem, was schon funktioniert. Und mit dem Mut, neue Lösungen einfach anzudocken.

