Mut zur Lücke: Warum nicht jedes Digitalisierungsvorhaben sofort alles ändern muss
Digitalisierung wird häufig als umfassende Transformation verstanden. Alles muss neu, alles muss besser – und am besten alles gleichzeitig. Doch in der Realität fehlt oft: Zeit, Geld, Personal, Datenlage oder schlicht die Energie für ein solches Mammutprojekt.
Kennt ihr das? Der Wunsch nach ganzheitlicher Veränderung ist da, aber im Alltag kämpft man mit Limitierungen. Und dann passiert: nichts. Aus dem Ziel, alles richtig zu machen, wird ein lähmendes Zögern. Genau hier hilft eine Haltung, die oft zu wenig Beachtung findet: Mut zur Lücke.
Warum „nicht perfekt“ manchmal genau richtig ist
Digitalisierung ist kein Zustand, den man „erreicht“. Sie ist ein Weg – voller Zwischenschritte. Wer darauf wartet, dass alle Voraussetzungen stimmen, verliert Zeit. Wer hingegen pragmatisch vorgeht, erzielt schneller Wirkung.
Das bedeutet:
Auch mit lückenhafter Datenlage kann man oft starten.
Auch ohne vollständige Integration kann ein digitaler Prozess laufen.
Auch mit unperfekter Lösung kann ein erster Nutzen entstehen.
Digitalisierung ist kein „Alles oder Nichts“. Sondern ein „Was geht jetzt schon?“
Beispiele für pragmatisches Vorgehen
Daten fehlen? Dann beginnt mit einer Pilotlösung auf begrenztem Datensatz. Erkenntnisse daraus helfen beim Aufbau.
Schnittstelle nicht verfügbar? Nutzt manuelle Ex- und Imports als Zwischenlösung, bis die Automatisierung folgt.
Kein Budget für große Lösung? Dann startet mit einem Tool-as-a-Service – klein, skalierbar, monatlich kündbar.
Diese Übergangsphasen sind kein Scheitern – sie sind Teil des Weges. Wer darauf wartet, „es richtig zu machen“, bleibt oft stehen.
So gelingt evolutionäre Digitalisierung
Startet klein – aber strategisch: Sucht euch einen Teilbereich mit spürbarem Hebel.
Akzeptiert Unvollständigkeit: Dokumentiert bewusst, was fehlt – aber lasst euch davon nicht aufhalten.
Kommuniziert transparent: Stakeholder verstehen meist, warum etwas nur zu 80 % fertig ist – wenn das Ziel sichtbar ist.
Plant nächste Schritte iterativ: Jede Lösung wird mit der Zeit besser – wenn man sie laufen lässt und aus der Nutzung lernt.
Wir bei Complex erleben häufig: Wenn Unternehmen anfangen, statt abzuwarten, kommen sie schneller in die Lernkurve. Und mit jeder Iteration wird die Lösung besser – weil sie auf realen Erfahrungen basiert, nicht auf Hypothesen.
Was Mut zur Lücke nicht ist
Wichtig: Diese Haltung darf nicht mit „Pfusch“ verwechselt werden. Es geht nicht um Chaos, sondern um bewusstes Priorisieren:
Was muss jetzt sein – was kann warten?
Was funktioniert gut genug, um zu starten?
Was ist experimentell – und darf auch wieder verschwinden?
Mut zur Lücke heißt: Entscheidungen treffen trotz Unvollständigkeit. Und damit schneller in die Umsetzung kommen.
Fazit: Digitalisierung braucht nicht Perfektion, sondern Bewegung
Pragmatismus ist kein Rückschritt – sondern ein Fortschritt, der in der Praxis funktioniert. Wer mutig Lücken akzeptiert, kommt schneller zu Ergebnissen. Und bringt Digitalisierung dort zum Laufen, wo sie zählt: im echten Arbeitsalltag.

